VW Golf Plus Mod 2009

Angetestet: Golf Plus "Style Edition" 2.0 TDI

Immer noch Wartezeit auf den bestellten Skoda Octavia 2.0 TDI Firmenwagen :-(
Als Überbrückung kam deswegen von der Firma ein von Europcar geliehener VW Golf Plus zu mir. Golf Plus “ .. och nöö“ war mein erster Gedanke als ich den Wagen am Dortmunder Flughafen übernehmen sollte. “ … bitte nicht so eine Rentnerkarre“ ging mir durch den Kopf. Aber wie heisst es im Ruhrpott so schön:

Versuch macht kluch

Bei genauer Betrachtung war es ein 2.0 TDI mit dem Sonderausstattungspaket Style. 103 kw/140 PS und dem klassischen 6-Gang Schaltgetriebe, dazu das Technikpaket, Parkassistent sowie der doppelte Gepäckraumboden. Die Unverbindliche Preisempfehlung lag dabei bei knappen 29.500,- Euro. Hmm, ganz schön viel Auto für das Geld. Viel Auto soll heissen das es auf die Basis eines Golf Trendline noch jede Menge Extras on Top (Link zur Ausstattungsliste) gibt.

Die erste genauere, äußerliche, Betrachtung des Wagens fiel dann auch ausgesprochen positiv aus. Metallic Lack, schicke Leichtmetallfelgen, abgedunkelte Scheiben im Fond und eine silberne Dachreling. Sehr chic allerdings keine Xenon-Beleuchtung. Dafür wäre diese als Zusatzausstattung für weitere 1.325,- € zu beziehen.

Genauso chic geht es dann innen weiter. Elektrische Unterstützung wohin ich auch schaue. Fensterheber, Glasdach, alles fein per Knopfdruck zu bedienen. Klimaautomatik, Sitzheizung, Navi, der Parkassistent und eine tolle Sitzanlage sowohl vorne als auch hinten. Alle Schalter und Bedienelemente sind gut erreichbar, auch die Instrumente lassen sich gut ablesen. Zahlreiche Stau- und Ablagefächer sorgen für ein aufgeräumtes Ambiente.

Und weiter …

Was jetzt noch fehlt ist zu schauen wie der Hobel fährt. Also nix wie Motor starten und raus aus dem Parkdeck. Rumms, zwei Kurven weiter hab ich es dann echt geschafft ein Mißverhältniss zwischen Motordrehzahl und eingelegtem Gang zu erzielen und patsch war der Motor abgewürgt – wow. Ist mir gefühlte 10 Jahre nicht mehr passiert :-)
Also einfach etwas drehfreudiger fahren, der Turboaufgeladene 2 Liter kann dies gut vertragen und stellt sein maximales Drehmoment dann bei 1.750 U/min zur Verfügung. Damit geht der 1.470 kg schwere 5-Türer richtig gut nach vorne und quittiert die Tritte aufs Gaspedal mit wirklich kernigem Dieselgebrüll. Wirklich zu hören ist es aber nur wenn ein Fahrer- oder Beifahrerfenster geöffnet ist. Wenn die Bude geschlossen ist, ist der Motor mit einer angenehmen Lautstärke zu hören und verrichtet unauffällig seinen Dienst. Tolles Aggregat!

Reisefreudiges Auto

Auf der Autobahn macht er ebenfalls einen guten Eindruck und ist trotz der höheren Fahrgastzelle bei weitem nicht so wackelig wie erwartet. Schnelle Autobahnkurven auf der A45 absolviert er, zwar mit einer gewissen Längsneigung, gut und sicher. Kein Grund zur Beanstandung, auch nicht wenn es geht die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. VW gibt hier 204 km/h an, laut Tacho waren es 216 km/h – völlig ausreichend! Dabei pendelt sich der Verbrauch, abhängig von der Fahrweise, wie folgt ein:

  • Ruhiges Reisen mit maximal 120 km/h = 4,4 L/100 km*
  • Zügiges Reisen mit Zwischensprints bis max 160 km/h = 4,8 bis 5,1 L/100 km*
  • Knallgas; mit allem was geht bis v/max = 5,9 – 6,1 L/100 km*
    * 1 – 2 Personen mit wenig Gepäck

Der Golf Plus macht auch auf der Autobahn einen guten Eindruck und marschiert auch in hohem gut mit. Dabei kann die v/max wahlweise, mit höherer Drehzahl, im 5.ten oder drehzahlschonend im 6.ten Gang erreicht werden. Die höhere Sitzposition mit dem daraus zu erzielenden besseren Weitblick macht sich dabei auch in Sachen Sicherheit positiv bemerkbar. So langsam verstehe ich warum es so einen Run auf die ganzen Family-Vans und SUV gibt. Alleine das höhere Sitzen ist Zucker! Wie eingangs erwähnt sind die Sitze wirklich klassen. Fein verstellbar, auch in der Höhe, klasse Seitenführung und auch die Lendenwirbelunterstützung sorgen für echten „IndenSitzlümmelcharakter“. Mittelarmlehne einrichten, Lenkrad korrekt einstellen, Tempomat rein und die Reise kann losgehen.

Agiler City-Hopper

Nach dem ganzen Langstreckenlob soll der Golf Plus nun in Köln zeigen was er kann. Hier macht sich die höhere Sitzposition noch positiver als auf der Autobahn bemerkbar. Waren wir aufgrund eingeschränkter Ortskenntnisse mal auf der falschen Fahrspur, ließ sich dies mit einem schnellen Zwischensprint und dem extra Weitblick immer wieder klasse korrigieren. Ein echtes Plus ist dabei der agile und drehfreudige Motor dem nicht anzumerken ist das es sich um einen 2 Liter Diesel handelt. Auch mit seinen Außenabmessungen von knapp 4,2 x 1,76 m ist er noch absolut City-tauglich und schreckt mit einem angenehmen Wendekreis auch vor engeren Parkhäusern nicht zurück. Apropos Parken – da war doch was? Richtig der gute Golf hat ja einen Parkassistenten und dieser hat eigentlich den Zusatz „Fullservice Park Assistent“ verdient.

Park Assist

Der Parklenkassistent „Park Assist“ unterstützt den Fahrer in mehreren Punkten. Zum einen meldet er, nach Aktivierung, ausreichend große Parklücken und unterstützt das Einparken durch entsprechende Lenkbewegungen. Sowohl beim Ein- als auch beim Ausparken, der Fahrer hat hier nur die Kontrolle von Gas und Bremse zu übernehmen. Im Detail gestaltet sich das unterstützte Einparken wie folgt:

VW Park Assist
VW Park Assist (C)

Der Fahrer aktiviert den Parklenkassistenten über den separaten Taster „Park Assist“ in der Mittelkonsole und fährt dann mit maximal 40 km/h und einer Entfernung von 0,5 bis 1,5 m am Straßenrand entlang. „Park Assist“ scannt in der Vorbeifahrt sowohl die rechte als auch die linke Seite, z. B. in Einbahnstraßen, auf vorhandene Parklücken. Über das Setzen des Blinkers bestimmt der Fahrer, auf welcher Straßenseite er einparken möchte. Erkennt der Assistent eine Parklücke, die mindestens 1,1 m länger als das Fahrzeug ist, erscheint in der Multifunktionsanzeige die Meldung „Parklücke erkannt“. Anschließend wird der Fahrer in die richtige Ausgangsposition dirigiert und aufgefordert, den Rückwärtsgang einzulegen. Mit dem Einlegen des Rückwärtsgangs wird der Parklenkassistent zugeschaltet und die automatische Lenkbetätigung aktiviert. Die entsprechende Meldung in der Multifunktionsanzeige lautet „Lenkeingriff aktiv! Umfeld beachten!“. Durch vorsichtiges Gasgeben steuert das Fahrzeug in die Parklücke hinein. Das Ende des Rückwärtsfahrens wird durch die akustischen Parkpiloten angezeigt. Der Fahrer wird durch weitere Bilder im Display aufgefordert, vorwärts, ggf. auch noch einmal rückwärts zu fahren. Die Anzahl der Parkzüge hängt von der Länge der Parklücke ab. Je kürzer die Parklücke, desto mehr Parkzüge sind notwendig. Das System erkennt Parklücken jeder Art (z.B. in Kurven, auf Bordsteinen oder zwischen Bäumen).

Und wer jetzt denkt, das ganze würde arg lange dauern und wer weiss wie den Verkehr aufhalten – Pustekuchen. Gas, Bremse und die Gangwahl macht der Fahrer und der Park Assist alles andere sobald der benötigte Fahrzustand bereit steht. Ruck – zuck ist der Wagen ein- oder ausgeparkt. Ein Traum wenn es dunkel ist und schifft :-)

Ebenfalls ist der Golf Plus auch in solchen Alltagsthemen wie Einkaufen und schwangere Frauen durch die Gegend fahren eine nette Unterstützung. Das Einladen der Einkaufskörbe und Taschen geht super weil der Golf Plus eine angenehm niedrige Ladekante besitzt und so angenehm zu beladen ist. Kinderwagen passt auch gut in den Kofferraum, allerdings kommt dieser dann so langsam an seine Grenzen. Drei- und Lauflernräder passen dann nicht mehr wirklich gut mit rein. Die nicht mehr so agilen Ehefrauen und älteren Verwandten freuen sich über den erhöhten Ein- und Ausstieg :-)

Mein Fazit

Tolles Auto welches mit dem ihm anhaftenden „Rentnerauto“ Image nix am Hut hat. Tolle Übersicht sowohl auf der Autobahn als auch im Citygetümmel. Klasse Sitze, gewohnt gute Ergonomie. Kraftvoller und trotzdem sparsamer Dieselmotor. Tolle Ausstattung im gefahrenen „Style“ Sondermodell.

Links zum Artikel

Auf der hier verlinkten Seite zeigt Volkswagen die Funktionsweise verschiedener Fahrassistenten, auch dem Park Assist.

[box type=infobox]Als ich diesen Wagen über knappe 6 Wochen fahren durfte hatte ich leider nicht einen Gedanken daran später einen Autoblog zu schreiben. Genau deswegen kann ich leider keine eigenen Fotos liefern :-([/box]